Von Kindern, Lehrern und Ihrem Schulhaus
- Unsere Dümpelfelder Schule -
platzhalter
Den Zeitpunkt, wann der Schulbesuch für die Kinder des kleinen Eifeldorfes Dümpelfeld ihren Anfang nahm, weiß man nicht so genau. In einem Pfarrbuch der Pfarrei Dümpelfeld, das sich im Diözesanarchiv in Trier befindet, wird zum erstenmal über eine Schule in Dümpelfeld berichtet. Zu dieser Pfarrei gehören die beiden Dörfer Dümpelfeld und Niederadenau, die zusammen schon 1743 einen Schulort bildeten. Das Schulgebäude für beide Dörfer war in Dümpelfeld. Es war ein alter Fachwerkbau, der neben dem breiten Treppenaufgang zur alten Kirche stand und in den sechziger Jahren wegen Baufälligkeit und Einsturzgefahr abgerissen wurde. Viele Dümpelfelder Bürger können sich noch an das alte Fachwerkhaus erinnern. Es war damals das Wohnhaus des Dümpelfelder Bürgers und Originals Josef Hilterscheid, besser bekannt unter dem Spitznamen "Butti".

platzhalter

Die alte Volksschule von Dümpelfeld, erbaut um 1730 unterhalb der Kirche

Der Schulunterricht in diesem alten Fachwerkgebäude wurde bis 1890 von Kindern aus Dümpelfeld und Niederadenau besucht. Wegen des unregelmäßigen Schulbesuchs der Kinder beklagte sich damals der Pastor Nikolaus Schnitz, der von 1703 bis 1755 der zuständige Pfarrer in Dümpelfeld war, über die Eltern der Schüler aus den beiden Orten. Sie schickten ihre schulpflichtigen Kinder nicht jeden Tag in die Schule, sondern hielten sie zuhause und beauftragten sie mit Haus- und Feldarbeit. Das war für die Eltern eine große Hilfe bei der harten landwirtschaftlichen Arbeit auf dem steinigen und unfruchtbaren Boden der Eifel. Der Wert einer guten Unterrichtung und Bildung ihrer Kinder in der Schule war den Eltern damals noch unbekannt. Für die Schulkinder aus Dümpelfeld und Niederadenau gab es bald ein großes Problem: der Schulraum in dem alten Fachwerkgebäude wurde zu klein, weil der Lehrer dort zeitweise bis zu 60 Schüler in dem kleinen Klassenraum unterrichten mußte. Wie das ein damaliger Lehrer durchführte, ist für die Lehrer von heute ein Rätsel. Deshalb wurde im Jahre 1890 unterhalb von dem alten Fachwerk-Schulgebäude in der Nähe der Kirche eine neue und räumlich größere Schule gebaut. Sie war im Vergleich zur alten Schule ein neues, großes und für die damalige Zeit modernes Gebäude mit einer neuen Möblierung, zum Beispiel: Schülerbänke, Lehrerpult, Tafeln, großer Ofen, Schrank für damalige Schulmaterialien und Schulbücher.

platzhalter

Bild 2: Das neue Schulgebäude mit Schuleingang und Schulhof, erbaut 1890

Der erste Lehrer des im Jahre 1890 neu erbauten großen Schulgebäudes war Herr Herrig. Dieser musste jedoch bald feststellen, dass die Schülerzahl so stark anwuchs, dass auch in dem neuen großen Klassenraum die wichtige Beaufsichtigung und erfolgreiche Unterrichtung von täglich 73 Schülern durch eine Lehrperson nicht möglich war. So kam man bald zu dem Entschluss, die Anzahl der Schüler aus den beiden Orten zu teilen und für die Niederadenauer Schüler in ihrem Wohnort ein neues und eigenes Schulgebäude zu errichten. Dieser Schulneubau wurde im August 1907 begonnen und im Juni 1908 vollendet. Ab diesem Jahr wurden die Schüler der beiden Orte in zwei Schulen unterrichtet, so dass wegen der jetzt verringerten Klassenstärke ein guter Unterricht wieder möglich war. Der seit 1890 in Dümpelfeld unterrichtende Lehrer Herrig konnte ab Juli 1914, dem Beginn des 1. Weltkrieges, im Schulunterricht nicht mehr tätig sein. Er wurde wegen Mangels an Kriegsdienstteilnehmern als kriegsdienstfähig beurteilt und der Feldartillerie zugeteilt. Von August bis Ende des Jahres 1914 wurde der Schulunterricht in Dümpelfeld eingestellt. In dem Schulgebäude konnte kein Unterricht mehr gehalten werden, da der Schulraum zum Aufenthalts- und Schlafraum für die Soldaten der Landwehr und des Landsturmes bestimmt wurde. Sie hatten die Aufgabe, den Bahnhof in Dümpelfeld zu bewachen und vor feindlichen Angriffen zu schützen; denn die 1910 gebaute Bahnlinie Dümpelfeld - Jünkerath und die weiterführende Bahnstrecke nach Belgien und Frankreich hatten für den Transport von Soldaten und Kriegsmaterial eine große Bedeutung

platzhalter

Bild 3: Lehrer Herrig mit Schülern aus Dümpelfeld und Niederadenau; Geburtsjahrgänge 1884 - 1992

Am 1. Dezember 1915 erhielt die Schule in Dümpelfeld als neue Lehrkraft den Junglehrer Martin Oberhofer. Er war während insgesamt 35 Jahren als Volksschullehrer und Erzieher in Dümpelfeld tätig. Viele Dümpelfelder Bürger können sich noch an ihre Schulzeit beim Lehrer Oberhofer erinnern, denn sie haben durch seine Unterrichtstätigkeit gelernt, wie man das Leben beruflich und als Familienvater oder -mutter meistert. Denn es wurden auch sehr praktische Dinge getan. So wurden oft Heilkräuter gesammelt, die Felder nach Kartoffelkäfern abgesucht oder Holz für das Martinsfeuer beigeschleppt. Hinzu kommt noch, dass es für einen damaligen Volksschullehrer nicht einfach war, während der beiden Weltkriege von 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 und der folgenden Nachkriegszeit die Schüler zu unterrichten und zu bilden, weil der Unterricht oft ausfiel. Es muß hier auch erwähnt werden, dass - wie so mancher Volksschullehrer in früheren Zeiten - auch Herr Oberhofer nicht nur als Lehrer im Schuldienst sondern auch als Organist und Küster im Kirchendienst wichtige Aufgaben erfüllte. Ab Sommer 1949 war er wegen langzeitiger Erkrankung nicht mehr im Schuldienst tätig. Er schied aus dem Lehrerdienst aus und wurde in den Ruhestand versetzt.

platzhalter

Bild 4: Lehrer Martin Oberhoffer und Pastor Will mit den Schülerjahrgängen 1911 - 1918

platzhalter

Bild 4a: Lehrer Martin Oberhoffer und Pastor Will mit den Schülerjahrgängen 1914-1922

platzhalter

Bild 4b: Lehrer Martin Oberhoffer mit den Schülejahrgängen 1934 - 1942

Vom Herbst 1949 bis zum Juli 1950 wurde der Schulunterricht in Dümpelfeld vom Lehrer Busch aus Niederadenau durchgeführt. Er hielt wöchentlich 3 Tage in Dümpelfeld und 3 Tage in Niederadenau Unterricht. Diese verkürzte Unterrichtszeit von 3 Tagen in der Woche war den Schülern sehr angenehm, denn sie liebten die unterrichtsfreie Zeit mehr als schulisches Arbeiten. Doch das durfte auf Dauer nicht so bleiben, deshalb wurde dieses Problem auch bald gelöst. So wurde zum 1. Juli 1950 der Lehrer Josef Böcking, der bisher in Barweiler tätig war, von der Bezirksregierung Koblenz nach Dümpelfeld versetzt. Als er seinen Unterricht in Dümpelfeld begann, begeisterte die männlichen Schüler ganz besonders der neue Sportunterricht, denn ab 4. Schuljahr durften sie jeden Montag während der Zeit von zwei Unterrichtsstunden auf dem Sportplatz ein Fußballspiel austragen, das Lehrer Böcking als Schiedsrichter leitete. Während dieser Zeit besuchten die Mädchen, nicht immer zu ihrer Freude, den Handarbeitsunterricht. Als neue Schulveranstaltung fand in jedem Jahr für die Schüler und Schülerinnen aus Dümpelfeld, Niederadenau, Insul und Schuld auf dem Sportplatz in einem der Orte ein Sportfest, die Bundesjugendspiele, statt. Die Jungen und Mädchen mussten gute sportliche Leistungen in den Disziplinen Kurzstreckenlauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf erbringen. Sie erhielten dann für ihre erzielten 40 oder 56 Punkte und mehr eine Sieger- oder Ehrenurkunde. Besonders erinnern sich viele Schüler gern an den großen Schulausflug, der einmal im Jahr stattfand, zum Beispiel zur Burg Eltz bei Moselkern an der Mosel oder zum Drachenfels bei Königswinter am Rhein. Weitere unterrichtliche Neuheiten für die Schüler waren die Schulfunksendungen und die Vorführung von Lehrfilmen während des Unterrichts. Ein großes Erlebnis für die Schüler war die 800-Jahrfeier von Dümpelfeld am 11., 12. u. 13. Juli 1953. Im Festzug am 12. Juli stellten sie unter der Leitung von Lehrer Böcking in kleineren und größeren Gruppen die bekanntesten Märchen dar. Sie erreichten auf diese Weise bei den Zuschauern eine große Begeisterung und erhielten viel Beifall. 1955 wurde die Schulsituation in Dümpelfeld hygienisch verbessert. Das alte stinkende Plumpsklo mit dem angrenzenden nicht überdachten Pissoir wurde abgerissen uns durch einen Toilettenneubau ersetzt. Hier gab es Toiletten mit
platzhalter

Die alte Schultoilette, die 1955 durch eine neue ersetzt wurde.

Wasserspülung getrennt für Jungen und Mädchen und jeweils ein Handwaschbecken. Für die Jungen fiel dadurch jedoch ein sportlicher Wettkampf aus. Denn bis dahin war Wasserlassen oft das Ziel über die Mauer des Pissoirs zu pinkeln und die dort spielenden Mädchen zu treffen. Einen schönen Tag für die Schüler gab es immer dann wenn es Holz oder Brikett für den Winter gab. Dann wurde statt Unterricht gemacht eine lange Schülerkette gebildet und die Holzstück oder Brikett von Hand zu Hand gereicht und so in den Keller befördert. Die großen Jungen durften dies dann im Keller aufschichten und böse Zungen behaupten, dass in dieser Zeit der Vorrat von Frau Böcking an Eingemachtem rapide abnahm. Doch wie bei allen Lehrern ging auch bei Herrn Böcking wegen Erreichen des Pensionsalters die Lehrertätigkeit zu Ende. Er wurde nach 45 Jahren Dienstzeit, davon 13 Jahre in Dümpelfeld, am 1.10.1962 aus dem Schuldienst in den Ruhestand versetzt. Viele Schüler und deren Eltern denken gerne an ihn zurück

platzhalter

Lehrer Josef Böcking mit den Schülerjahrgängen 1947 - 1953.

Nach der Pensionierung von Lehrer Böcking wurde ab Oktober 1962 die Unterrichtung der Schüler aus Dümpelfeld von dessen Tochter, der Lehrerin Frau Mechthilde Reichartz übernommen, die bisher die Volksschule in Freisheim geleitet hatte. Sie unterrichtete die Schüler des 1. bis 8. Schuljahres aus Dümpelfeld bis Juli 1968 in der Dümpelfelder Schule.

platzhalter

Lehrerin Mechthilde Reichartz mit den Schülerjahrgängen 1954 - 1961.

Ende Juli 1968 wurden alle einklassigen Volksschulen von Rheinland-Pfalz aufgelöst, so auch die Volksschule in Dümpelfeld. Von August 1968 bis Juli 1972 wurden die Dümpelfelder Schüler des 1. bis 4. Schuljahres in Dümpelfeld und die Schüler des 5. bis 8. Schuljahres in Niederadenau unterrichtet. Ab August 1972 fuhren alle Schüler des 5. bis 8. Schuljahres und jetzt auch 9. Schuljahres zur Schule nach Adenau, die jetzt die neue Bezeichnung "Hauptschule Adenau" hatte. Die Schüler des 1. bis 4. Schuljahres aus Dümpelfeld, Insul und Schuld wurden als "Grundschule Schuld" zusammengefasst und von August 1972 bis Juli 1975 in den früheren Volksschulen in Dümpelfeld (3. Schuljahr), Insul (2. Schuljahr) und Schuld (1. u. 4. Schuljahr) unterrichtet. Im August 1975 wurde die Grundschule Schuld aufgelöst, und die Dümpelfelder Grundschüler besuchten ab dem Schuljahr 1975/1976 die Grundschule Adenau. Da in der Volksschule in Dümpelfeld ab August 1975 nicht mehr unterrichtet wurde und das Gebäude leer stand, wurde es von der Gemeinde verkauft. Vorübergehend war dort auch die Redaktion der bekannten Zeitschrift "Motorradreisen" untergebracht, die später in den Raum Euskirchen verlegt wurde. Heute dient sie einer fünfköpfigen Familie als Wohnhaus. Doch für viele Dümpelfelder Bürger, die einst in dieser alten einklassigen Volksschule unterrichtet wurden, hat die Umwandlung des ehemaligen Schulgebäudes in ein Privathaus nicht stattgefunden. Für sie ist die alte Volksschule nicht verschwunden, sondern auf ihrem alten Platz geblieben als "unsere Dümpelfelder Schule".

(Von Knut Stratmann )