Der Kampf ums tägliche Brot
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Als wild, öde, rau und kalt war sie verschrien, die Eifel. Als "Rheinisches Sibirien" und als "hungriger Kostgänger des Reiches" wurde sie beschimpft. Die Menschen, die in diesem kargen Gebirge wohnten standen ebenfalls in keinem guten Ruf. Der Landrat des Kreises Rheinbach verteidigte sie jedoch 1860 wie folgt: "Man sagt der Eifeler sei lässig in seiner Arbeit, schlaff und langsam in seinen Bewegungen. An sich ist dies wahr, aber als Vorwurf höchst ungerecht. Er ist lässig, weil er bei der Sterilität des Bodens, bei der unendlichen Zersplitterung und den damit zusammenhängenden Übeln und wirtschaftlichen Hemmnissen auch bei größter Anstrengung kein sonderliches Fortkommen sieht und daher mutlos ist. Er scheint schlaff und langsam, weil aus Mangel an gedeihlicher Nahrung und Fleischkost die Muskelkraft ihm fehlt. Man versetzte den ruhigsten Menschen hilflos in die selbe Lage und er wird bald den Mut verlieren und in die selbe Lethargie verfallen. Sein Elend ist daher kein Selbstverschulden." Tatsächlich war die wirtschaftliche Situation der Eifeler Kleinbauern im 19. Jahrhundert trostlos.

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Jakob und Josef Hück mit ihrem Ochsengespann

Das ungünstige Klima, die kargen Böden und die ernorme Besitzzersplitterung waren die wichtigsten Ursachen dafür. Witterungsbedingte Missernten führten die ohnehin nur bescheiden lebenden Menschen vollends an den Rand des Ruins. Die Schilderung der Folgen des besonders schlimmen Notjahres 1816 gibt einen erschreckenden Einblick in den Existenzkampf, dem sich die Eifelbauern immer wieder ausgesetzt sehen. "1816 war ein Jahr des Unheils. Bis in den Juni hinein lag stellenweise der Schnee, Anfang November fiel schon wieder Schnee, nichts wurde reif, alles verdarb und verkam. Ende September brachte man das Heu ein. Die Kartoffeln erfroren und waren unter dem Schnee begraben. Man grub diese Walnuss großen Früchte aus und buk Brot daraus. Man aß Kartoffellaub, Wurzeln, Futterkräuter, man kochte Schnecken, um etwas Kräftiges zu genießen. Wolfsfleisch war sehr begehrt, Nesseln und Hahnenfuß ergaben ein schmackhaftes Mus." Die preußische Regierung sah voller Sorge auf die Not dieses Landstrichs, den sie nach der Niederlage Napoleons gerade in Ihre Verwaltung übernommen hatte. Sofort eingeleitete Hilfsmaßnahmen konnten die Not jedoch nicht lindern, zumal noch viele Jahre mit Missernten folgten. So berichtet ein Eifeler Landtagsabgeordneter Mitte des 19. Jahrhunderts an die preußische Regierung: "Sehr viele von ihnen kennen keine andere Nahrung als Kartoffeln und Brot, das aus einer Mischung von Hafermehl und Kartoffeln besteht. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass zwei Drittel der gesamten Bevölkerung nur einmal im Jahr Fleisch genießen. Alle Bauern sind verschuldet, in den großen Dörfern 4 - 5 in den kleineren Dörfern keiner ausgenommen." Auch die Entwicklung Dümpelfelds wurde geprägt durch die ungünstige wirtschaftliche Lage. Da die Dümpelfelder weder reich noch vermögend waren, musste das Brot hier mühsamer verdient werden als anderswo, denn die Gemarkung ist nicht allzu groß, es ist Ödland dabei und manche der Äcker und Wiesen sind auf dem Plateau über der Ahr, ein mühsamer Weg für die Zugtiere und den Bauer. Fielen die Ernten besser aus, so nutzte man das erwirtschaftete Getreide, Kartoffeln und Gemüse oder die wenige Milch der schwachen Kühe, um sie gegen Kleidung, Werkzeug oder sonstige notwendige Dinge des täglichen Lebens zu tauschen. Über Bargeld verfügte man äußerst selten und wo kein Bargeld war, florierte auch der Handel nicht recht, so dass auch hier wenig Gewinn zu machen war. Die örtlichen Handwerker, wie Schmied, Schneider und Schuster konnte auch nicht erblühen, wegen der finanziellen Schwäche der Dorfbewohner. So wundert es nicht, das es in Folge der Not zu Massenauswanderungen insbesondere nach Amerika kam. Im Jahr 1882 verließen 125.000 Menschen Deutschland, um in Übersee ihr Auskommen zu finden. Allein aus der Eifel emigrierten in der Zeit von 1840 - 1871 60,000 Menschen. Aus Dümpelfeld wanderte 1840 z.B. das Ehepaar Goeser, das damals die Hahnensteiner Mühle betrieb, mit seinen acht Kindern in die USA aus, wie es das Auswanderbuch des ehemaligen Kreises Adenau ausweist, welches im Heimatmuseum der Stadt Adenau deponiert ist. Von 1871 bis zum ersten Weltkrieg (1914 - 1918) wurden noch einmal 100.000 Auswanderer gezählt. Doch jetzt dominierte die Binnenwanderung, das heißt, die Eifeler suchten sich Arbeit an Rhein und Ruhr. Zu den landwirtschaftlichen Krisen kam noch erschwerend hinzu dass die Eifel den Anschluss an die industrielle Entwicklung verpasst hatte. Zu spät begann man mit der Erschließung durch die Eisenbahn, denn die meisten Strecken wurden erst nach 1880 gebaut. So brachte der Bau der Eisenbahn auch für Bewohner von Dümpelfeld einen wirtschaftlichen Aufschwung.

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Bauarbeiter beim Bau der Eisenbahn von Dümpelfeld nach Jünkerath 1910

Denn erstens konnten nun viele beim Bahnbau beschäftigt werden und später als Arbeiter oder Beamte bei der Bahn, zweitens hatte man nun die Fahrmöglichkeit in den Raum Köln oder ins Ruhrgebiet und konnte dort Arbeit finden. Auch brachte der Ausbau des Straßennetzes (1859) oder die Verlegung des Telegrafenleitungen(1860) Arbeit in die Eifel und mancher Mann aus Dümpelfeld konnte hier durch harte Arbeit ein Auskommen für seine Familie finden. Eine Strukturverbesserung der Landwirtschaft wurde erst mit der Erfindung des Kunstdüngers Ende des 19. Jahrhunderts erreicht, mit Finanzspritzen der preußischen Regierung und dem 1883 in Kraft tretenden Eifelfonds. Hiermit wurden Entwässerungen, Aufforstungen und Kultivierungen bezuschusst, wodurch wieder Arbeitsplätze als Tiefbauarbeiter oder als Holzfäller geschaffen wurden. Auch zog man von Dümpelfeld aus mit Emaillewaren über die Dörfer und Märkte, um so ein paar Mark zu verdienen. Arbeit und Fleiß wurden in Dümpelfeld immer groß geschrieben. Nachdem durch den Bau der Eisenbahnlinie nach Lissendorf (1910) Dümpelfeld verkehrsmäßig noch besser erschlossen war, ergaben sich durch die günstige Lage am Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt neue Möglichkeiten der Entwicklung. So gab es erste Gastwirtschaften und Beherbergungsbetriebe die um stressgeplagte Feriengäste aus den Städten am Rhein warben.

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Gaststätte und Bäckerei Mathias Josef Strohe um 1900

Der Bau des Nürburgringes (1927) brachte einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung in den Adenauer Raum und damit auch nach Dümpelfeld. Die heutige Jugend wird sich kaum vorstellen können, dass die Männer zu Fuß oder mit dem Fahrrad oft länger als zwei Stunden unterwegs waren, bis sie die Baustelle der Rennstrecke erreichten, um dann nach oft mehr als zehnstündiger Arbeit müde den Heimweg wieder anzutreten. Aber die Hauptsache war, man hatte Arbeit und somit Geld, um die oft große Familie zu ernähren. Als die Rennstrecke fertiggestellt war, brachten die vielen tausend Rennbesucher, die größtenteils mit Zug, Auto, Motorrad oder Fahrrad durch das Ahrtal anreisten auch Geld in die Kassen der Dümpelfelder Gaststätten und Geschäfte. Ebenso war die Nebenbeschäftigung als

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Arbeiter beim Bau des Nürburgringes 1927

Parkplatzwächter, Kassierer oder als Andenken- und Getränkeverkäufer bei Rennveranstaltungen sehr beliebt. Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Dümpelfelder bestrebt ihr doch arg zerstörtes Dorf wieder aufzubauen. Gaststätten und Geschäfte eröffneten und neue Handwerksbetriebe siedelten sich an. So weist eine Zeitungswerbung zur 800jahrfeier (1954) in Dümpelfeld 23 Gewerbebetreibende aus

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Anzeigen von Dümpelfelder Gewerbetreibenden in einer Zeitung aus Anlass eine Vorberichtes zu 800-Jahrfeier 1954

Die Landwirtschaft spielte in Dümpelfeld in dieser Zeit eine untergeordnete Rolle, zwar gab es noch auf der Hahnensteiner Mühle einen Haupterwerbslandwirt, aber die anderen 5 oder 6 Landwirtschaften wurden nur im Nebenerwerb betrieben. Heute gibt es keinen Landwirt mehr. Die günstig liegenden Wiesen- und Ackerflächen werden von Landwirten aus den Nachbardörfer bewirtschaftet. Einige Wiesen werden auch von Hobby-Pferdehaltern als Weide und zum Heu machen genutzt. Viele Flächen vor allem in den Höhenlagen liegen brach und drohen zuzuwachsen. Von den ehemals 23 Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben ist nicht mehr viel übrig geblieben. Nach der im August 1992 durchgeführten Bestandserhebung, gibt es in Dümpelfeld vier Gewerbebetrieb, zwei Gaststätten und vierzehn sonstige Dienstleistungsbetriebe. Unter anderem findet man hier noch eine Metzgerei und eine Bäckerei, die auch Lebensmittel führen, und zwei Sparkassen. Die Poststelle wurde 1993 trotz heftiger Proteste seitens der Bürger geschlossen. Die vorübergehend in der Bäckerei untergebrachte Postagentur wurde zwischenzeitlich auch dicht gemacht. Zur Zeit gibt es in Dümpelfeld noch 7 Betriebe, die als Hauptgewerbetreibende anzusehen sind. Zwei Gaststätten, ein Tiefbauunternehmen, ein Holzimprägnierwerk, eine Bäckerei, ein Betrieb zur Herstellung von Maschinen zur Papier und Kartonagenverarbeitung, ein Elektrobetrieb. Weist die Statistik von 1992 noch 36 Arbeitsplätze im Ort aus, dürften es heute vielleicht noch 10 Menschen sein, die im Ort ihren Hauptarbeitsplatz haben. Somit hat Dümpelfeld seine Bedeutung als Arbeitsplatz fast gänzlich verloren. Die Mehrheit der Bürger verdient heute das Geld in der näheren oder weitern Umgebung als Pendler, wobei man die täglich bis zu zwei Stunden Fahrzeit in Kauf nimmt, froh darüber einen sicheren Arbeitsplatz zu haben.

(Von Udo Stratmann)